Kondolenzbuch

Portrait von Margarethe Plochl

Margarethe Plochl

* 10.10.1928 † 29.10.2025

Verabschiedung: 04.11.2025

Uhrzeit: 14:00 Uhr

Ort: Ellmau

Information:

Die Aufbahrung ist ab Montag Mittag, dem 03. November 2025 in der Aufbahrungshalle Ellmau.

Den Seelenrosenkranz beten wir am Montag um 19:00 Uhr in der Pfarrkirche und am Dienstag um 13:30 Uhr vor der Aufbahrungshalle Ellmau.

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    Margarethe Plochl

    Kondolenzbuch

    † 29.10.2025

    Simone:

    Liebe Oma!

    Ich wollte Dir noch etwas erzählen.
    Vor einigen Wochen wurde ich in einer Yoga-Meditation aufgefordert, mir vor meinem inneren Auge einen schönen Platz vorzustellen – einen, an dem ich absolut sicher bin. Und ohne viel nachzudenken, bin ich davon ausgegangen, dass es einer der vielen wunderschönen Plätze sein wird, an die ich in den vergangenen Jahrzehnten gereist bin. Wahrscheinlich irgendwo am Meer.
    Aber noch ehe ich diese Gedanken zu Ende gedacht habe, bin ich sieben oder acht Jahre alt und liege bei dir in deinem kleinen Wohnzimmer unterm Dach auf dem Teppichboden. Ich habe den Geruch dieses Raumes in der Yogastunde gerochen, und ich rieche ihn jetzt, während des Niederschreibens. Ich spüre die alte blaue Decke mit den orangenen Karos darauf, und ich höre und sehe dich. Du sitzt auf dem Sofa und schneidest kleine Apfelspalten für uns, die du vorher in der schönsten zusammenhängenden Apfelhautschlange geschält hast – die wir natürlich am allerliebsten gegessen haben. Wir schauen gemeinsam Peter Steiners Theaterstadl, MacGyver oder Golden Girls und lachen oft, bis uns die Tränen kommen.

    Wenn wir bei dir geschlafen haben, was so oft vorkam, hast du uns aus dem Gedächtnis die Grimm’schen Märchen erzählt – so viele verschiedene, ohne auch nur ein Wort zu verändern. Und später, als wir größer wurden, waren es Geschichten von früher: von „Ganzguat“, von euren Jagdhunden und den Streichen, die sie euch spielten, von deinen Eltern, die du so geliebt und vermisst hast, und von so manchen mystischen Geschichten, die passiert sind und bei deren Schilderung wir an deinen Lippen hingen.

    Vor über 30 Jahren haben wir dich bei einem schweren Radunfall fast verloren. Ich habe so viel geweint und zu dem Gott gebetet, von dem du so oft gesprochen hast, und ihm alles versprochen, wenn er dich nur leben lässt. Du hast es überlebt – wie auch so einige Stürze in den letzten Jahren. „Ein Stehaufmännchen“, haben sie gesagt. „Er mag mich noch nicht“, hast du gesagt.
    Nie hast du gejammert und nie dich beschwert. Wenn wir dich besucht haben, hast du dich immer nach allen erkundigt – sogar nach den Schnecken hast du gefragt. „Das Wichtigste ist, dass es allen gut geht“, waren deine Worte. Und damit hast du nie dich selbst gemeint, sondern immer alle anderen.

    Um 6:00 Uhr hast du die Pflegerin noch angelächelt, und um halb sieben warst du eingeschlafen. Ganz ohne großes „Trara“ hast du gelebt, und ganz ohne „Trara“ bist du gegangen.

    Ich werde versuchen, nicht zu weinen, aber es wird mir nicht gelingen. Uns allen, um die du dich immer gesorgt hast, wird es das nicht. Aber unsere Tränen sind voller Dankbarkeit – für die vielen gemeinsamen Jahre, die wir mit dir hatten, für die schönen Erinnerungen, die du geschaffen hast, und für den Safe Space, den du uns in aller Schlichtheit ermöglicht hast.

    Danke, allerliebste Oma.

    Geschrieben am 31.10.2025 um 07:59