Liebe Tante Leni,
ich kann es immer noch nicht begreifen: Heute mussten wir Abschied von dir nehmen, ein Abschied, der viel zu früh und viel zu unerwartet kam.
Erst vor einer Woche haben wir noch telefoniert. Du hast dich so darauf gefreut, dass ich bald wieder aus Wien nach Hause komme. Als ich dann da war, ging alles so unfassbar schnell.
Ich kann meinen Dank kaum in Worte fassen. Du hast so viel für mich getan. Du warst mein Taxi, meine Köchin, meine Beraterin und noch so vieles mehr. Du hast unzählige Stunden mit mir beim Arzt verbracht, bei jeder Prüfung eine Kerze für mich angezündet, mich getröstet, wenn ich im Ausland Heimweh hatte, und mich während meines ersten Praktikums viermal täglich gefahren und wieder abgeholt und das einfach, weil es für dich selbstverständlich war, da zu sein.
Vielleicht konnte ich dir in den letzten Jahren zumindest einen kleinen Teil von dem zurückgeben, was du mir gegeben hast. Durch die Entfernung war ich nicht immer so oft da, wie ich es gerne gewesen wäre, aber ich habe versucht, für dich da zu sein, so gut es mir möglich war.
Was du für mich getan hast und was unsere besondere Beziehung für mich bedeutet hat, werde ich dir niemals vollständig zurückgeben können.
Danke, dass du mich 25 Jahre, 4 Monate und 9 Tage lang begleitet hast. Danke, dass ich immer auf dich zählen durfte.
Es wird mir fehlen, wenn du fragst, ob ich dir vom Flieger heruntergewunken habe, wenn ich vorbeigeflogen bin. Ich weiß noch, wie stolz ich war, dir zum ersten Mal meine Uniform zu zeigen. Diese Erinnerung werde ich für immer in meinem Herzen tragen. Und ich verspreche dir: Jedes Mal, wenn ich hoch über den Wolken unterwegs bin, werde ich an dich denken. Dort oben sind wir uns wenigstens ein kleines Stück näher.
Ich hoffe von ganzem Herzen, dass du jetzt an einem Ort bist, an dem es dir gut geht. Ein Ort, von dem aus du auf uns aufpassen und uns manchmal ein Lächeln oder auch eine Rüge schicken kannst.
Danke für alles, Tante Leni. Du wirst mir unendlich fehlen.
In tiefer Trauer und unendlicher Dankbarkeit,
dein Michael